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Bericht Jahreskonzert 2019

2019 Konzert JuKa

Von Fischen in die Antarktis

Ob jugendliche Gemeinschaft oder Stammkapelle – beide Binzwanger Gruppierungen wurden für ihr engagiertes Musizieren zu Recht mit viel Beifall belohnt. Ob bei Abba, bei symphonischer Blasmusik oder in der Wüste Arabiens – die Blasmusikszene Binzwangens blüht auf hohem Niveau.

57 musizierfreudige Jugendliche aus Ertingen, Binzwangen und Erisdorf zeigten sich bei „Futuro 2000“ von Luigi di Ghisallo als gut besetzter, recht differenziert agierender Klangkörper. Solistische Passagen, wechselndes Tempo und modifizierte Klangstärke standen für die vier Sätze, die ein neues Jahrtausend einläuten sollten.

Die schwedische Popgruppe Abba hat auch nach Ansicht der jugendlichen Moderatoren Fans bei allen Altersgruppen. Auch den Jungmusikanten kamen die vier eingängigen Titel über „Mamma mia“ hinaus in einem bunten Medley sehr entgegen. Gebotene Soli wie auch Takt- und Tempowechsel wurden sauber und wirkungsvoll genutzt und mit viel Beifall bedacht, wofür sich die muntere Schar unter Leitung von Carolin Lutz mit ihren drei Trompetensolisten in einem flotten Swing-Titel bedankten.

In „Fiskinatura“ entwirft Thiemo Kraas ein vielfältiges Klanggemälde, das einzelnen Registern der Stammkapelle die gut genutzte Möglichkeit eröffnete, sich positiv zu profilieren. Als kundige Moderatorin führte Susanne Roll die Zuhörer in die Welt anspruchsvoller symphonischer Blasmusik.

Von Fischen in der Mitte des Allgäus, in „Fiskinatura“ verborgen, führte der Weg nun nach Neuschottland. Frank Tichell berichtet in eingangs melodisch gut einprägsamen Themen von den Nachkommen französischer Kolonialisten, die sich nach 1600 dort niederließen. Sie bewahrten Sitten und Bräuche, was sich in vier ganz verschiedenen Sätzen von „Cajun Folk Songs“ ausdrückt. Thematisch aufsteigende Sequenzen wechseln mit fast melancholischen Abschnitten, um unvermittelt in tänzerische Musizierweise überzuleiten. Ein eindrucksvoller Beweis, wie variantenreich sich Binzwangens Musizier darstellen können.

Mit „Three Times Blood“ setzt Fritz Neuböck drei verschiedene und doch in sich eingebundene Bilder in musikalische Sphären um. Eisblut steht mit silbern klingenden Phasen für die Antarktis, aber auch für das Blut dort getöteter Wale. Gesungene und klangintensive mit Rhythmus angereicherte Passagen zielen auf afrikanische Wurzeln, dezentes Piano nach abgerundeter Klangfülle für den Dank am Ende eines Tages beim Untergang der Sonne. Das für Musiker und Zuhörer anspruchsvolle mit viele Beifall gewürdigte Werk spiegelte den hohen Stand der Musikkapelle Binzwangen wider.

„Porgy and Bess“ führte danach die Zuhörer zurück in das Jahr 1935. George Gershwin verbindet Jazz und Spiritual mit afro-amerikanischen Elementen, was die Musiker zu einer in sich stimmigen Interpretation reizte. Musikdirektor Hubert Vogel verband sichere Solisten und das Plenum seiner 50 Musiker zu einer ideenreichen Wiedergabe mit vielen klangtypischen Phasen aus dem Schatz seiner Register.

Mit zwei Hauptthemen aus dem 1962 erschienenen Film „Lawrence of Arabia“ entführte Maurice Jarre die Zuhörer in Binzwangens bestens besuchter Binsenberghalle in die Wüstenlandschaft Arabiens. Breit ausladende Melodik als Gegenpol zu rhythmisch artikulierter Musizierweise ergaben ein beeindruckendes Stimmungsgebilde.

Als „80er-Kult-Tour“ hat Thiemo Kraas bekannte Titel aus Pop und der Zeit der Deutschen Welle zu einem Medley zusammengestellt, in dem die Zuhörer nicht nur den „Skandal im Sperrbezirk“ entdecken konnten. Für Binzwangens Musikerschar eine willkommene Möglichkeit, aufs neue ihre Variabilität beim „Sternenhimmel“ auch außerhalb der symphonischen Blasmusik unter Beweis zu stellen. Für das Publikum, unter ihnen Vertreter von Kommune, Kirche und Blasmusikverband, ein amüsantes, erinnerumgsreiches Hörvergnügen, für die Musiker der Beweis, auf vielen musikalischen Ebenen zuhause zu sein. Der lang anhaltende Beifall wurde mit dem Konzertmarsch „Euphoria“ und dem rassigen Cha-Cha „Patricia“ beantwortet.

(Quelle: Schwäbische Zeitung, Autor: Kurt Zieger, Datum: 18.03.2019)